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„Aber was habe ICH damit zu tun?”
Diesen Satz höre ich immer wieder, wenn ich über systemische Aufstellungen spreche.
„Aber das Problem hat doch der andere.” „Warum soll ICH mir das anschauen?” „Was hat meine Familie damit zu tun?” Oder ganz grundsätzlich: „Was soll mir eine Aufstellung überhaupt bringen?”
Und genau da beginnt für mich das Spannende an einer systemischen Aufstellung.
Eine Aufstellung bedeutet nicht automatisch Familienaufstellung
Familie ist ein System. Aber wir bewegen uns unser ganzes Leben in den unterschiedlichsten Systemen. In Partnerschaften. In Freundschaften. Im Beruf. In Unternehmen und Teams. Im Sport. Überall dort, wo Menschen miteinander in Beziehung stehen, entstehen Verbindungen, Rollen und Dynamiken.
Und genau deshalb kann man auch ganz unterschiedliche Situationen aufstellen: Eine Beziehung, in der du immer wieder am gleichen Punkt landest. Eine berufliche Situation, bei der du nicht verstehst, warum es ständig blockiert. Ein Team, in dem etwas nicht rund läuft. Eine Entscheidung, bei der verschiedene Möglichkeiten im Raum stehen. Oder eine sportliche Situation, in der verschiedene Erwartungen und Interessen zusammenspielen.
Man kann viel mehr aufstellen als nur eine Familie.
Der Schrank im Raum
Für mich ist eine Aufstellung deshalb vor allem eines: eine Möglichkeit, etwas sichtbar zu machen, das wir bisher nur aus unserer eigenen Perspektive betrachtet haben.
Stell dir vor, du stehst mitten in einem Raum. Direkt vor dir steht ein riesiger Schrank. Du siehst nur diesen Schrank. Du kannst nach links schauen – Schrank. Nach rechts – Schrank. Du kannst versuchen herauszufinden, warum er dort steht. Du kannst ihn analysieren, dir hundert Gedanken machen. Aber solange du an derselben Stelle stehen bleibst, siehst du immer dasselbe.
Was passiert, wenn du deinen Platz veränderst? Plötzlich siehst du vielleicht, dass hinter dem Schrank eine Tür ist. Oder dass daneben längst ein Weg frei wäre. Der Schrank ist noch derselbe. Aber deine Perspektive hat sich verändert.
Und genau darin liegt die grosse Stärke einer Aufstellung. Ein Thema, das bisher nur in deinem Kopf existiert hat, bekommt plötzlich einen Platz im Raum. Beziehungen werden sichtbar. Nähe und Distanz werden sichtbar. Positionen werden sichtbar. Und manchmal erkennst du dadurch etwas, das du vorher schlicht nicht sehen konntest. Nicht weil du zu wenig darüber nachgedacht hast. Sondern weil du mittendrin standest.
Und dann kommt wieder die Frage: „Aber was habe ICH damit zu tun?”
Vielleicht sehr viel. Vielleicht wenig. Vielleicht etwas ganz anderes, als du gedacht hast.
Eine Aufstellung soll nicht beweisen, wer recht oder unrecht hat. Sie verteilt keine Schuld. Und sie sagt nicht: „So ist die Wahrheit.” Sie gibt dir die Möglichkeit, eine Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Denn vielleicht kannst du den anderen Menschen nicht verändern. Deinen Chef nicht. Deinen Partner nicht. Deine Familie nicht. Und manchmal kannst du auch eine äussere Situation nicht sofort verändern.
Aber du kannst anschauen: Wo stehe ich darin? Welche Rolle habe ich? Was passiert, wenn ich meine Position verändere? Was gehört überhaupt zu mir – und was vielleicht nicht?
Genau deshalb finde ich systemische Aufstellungen so spannend. Manchmal brauchen wir nicht noch mehr Gedanken über ein Problem. Manchmal brauchen wir einen anderen Blick darauf.
Und vielleicht lautet die entscheidende Frage am Ende gar nicht: „Was habe ich damit zu tun?”
Sondern: „Was kann ich verändern, wenn ich erkenne, wo ich darin stehe?”